Recherche · Portfolio-Webseiten bildender Fotograf:innen · 20. Oktober 2026
Wie Künstlerinnen und Künstler ihre Fotografie online zeigen, und was daran trägt
Siebzehn Portfolio-Seiten aus der bildenden Kunst, aufgenommen und vermessen: Aufbau, Typografie, Bildraster, Navigation, Ladezeit. Was Wiederholung ist, was Haltung, und wo die Seiten an ihrer eigenen Praxis scheitern.
Stichprobe17 Seiten ausgewertet, 25 geprüft
Aufnahme20.10.2026, 10:10–10:25 CEST
Viewport1440 × 900, mobil 390 × 844
MethodeHeadless Chrome, DOM- und Performance-Messung
Screenshots23 Aufnahmen, alle im Bericht
01
Zehn Befunde, die sich durch fast alle Seiten ziehen
Alles hier ist an den Seiten selbst gemessen, nicht aus Empfehlungsartikeln abgeleitet. Die Zahlen stehen im Anhang noch einmal vollständig.
Die Seite ist ein Bild, nicht ein Interface. Bei sieben von siebzehn Seiten füllt ein einziges Werk den ersten Bildschirm: Kawauchi, Sassen, McGinley, Ruff, Gursky, Bourouissa, Templeton. Keine Karussells, keine Feature-Kacheln, kein „Willkommen“.
Weißraum ist das eigentliche Layout. Kawauchi, Gursky, McGinley und Templeton setzen links eine Textleiste von etwa einem Fünftel der Fensterbreite und lassen den Rest leer. Foglia arbeitet mit 248-Pixel-Bildspalten und 16 Pixel Abstand, LaToya mit einem Drei-Spalten-Raster auf weitem Grund.
Klassische Satzschriften dominieren. Fünf Seiten setzen auf Garamond- oder Times-Schnitte (Tillmans, Kawauchi, Sassen, Simon, Bourouissa), der Rest auf zurückhaltende Grotesken wie Telegraf, Proxima Nova, Futura PT oder Archivo Narrow. Keine einzige nutzt eine Modeschrift der letzten zwei Jahre.
Die Navigation ist eine Liste, kein Menü. Untermenüs, Burger oder Hover-Megamenüs gibt es auf dem Desktop nirgends. Die Punkte stehen senkrecht am Rand (Kawauchi, Gursky, McGinley, Templeton) oder als lose Zeile im Kopf (Ruff, Sugimoto, Frazier, Bee); Sutherland hat gar keine Navigation, nur ein Raster.
Text ist knapp, aber nicht absent. Taryn Simon zeigt auf der Startseite null Bilder und 8.233 Pixel Ausstellungsliste. Sara Cwynar zeigt eine Werkliste in Monospace auf giftgrünem Grund, Bourouissa eine Tabelle aus Titeln und Jahren.
Die Bildlast geht extrem auseinander. Zwischen 52 KB (Cwynar) und 19 MB (Engman) liegt der Faktor 365. Gemessen nach vollständigem Laden, nicht geschätzt.
Mobile ist meist eine Verkleinerung. Foglia behält mobil zwei Spalten und bleibt bedienbar. Tillmans quetscht seine dreispaltige Textnavigation in eine Kopfzeile mit Menüschalter, die Seite wächst mobil auf 23.000 Pixel.
Bildunterschriften fehlen fast überall. Nur Frazier, Gursky und Kawauchi beschriften ihre Übersichten mit Titel oder Jahr. Bei Foglia und Sutherland steht am Bild gar nichts, bei Templeton und Bee auch nicht.
Squarespace und WordPress tragen ein Drittel. Drei Seiten laufen nachweisbar auf Squarespace (Sugimoto, McGinley, Bee), vier auf WordPress. Zehn sind handgebaut, und die sichtbar eigenständigsten Entwürfe sind darunter.
Die schlechtesten Seiten sind nicht die unbekanntesten. Der teuerste Auftritt der Stichprobe (Engman, 19 MB) gehört zu einem Künstler mit Museumsausstellungen. Die Last korreliert nicht mit dem Renommee, nur mit der Entscheidung, alles auf einmal zu laden.
Gute Künstler-Portfolios sehen aus wie Werkverzeichnisse, nicht wie Bewerbungsmappen.
02
Wie gemessen wurde, und wo die Zahlen unscharf sind
Vorgehen
Jede Seite in einem Headless-Chrome-Fenster mit 1440 × 900 Pixeln geöffnet, sechs Sekunden gewartet, zusätzlich einmal gescrollt, um Nachladen auszulösen.
Aus dem DOM gelesen: Titel, berechnete Schriftfamilie und -größe des Body, Hintergrundfarbe, Anzahl und geladene Breite der Bilder, Anzahl Videos, Lazy-Loading-Attribute, Dokumenthöhe, Navigationslinks.
Last über die Performance-API (Transfergröße und Anzahl Requests) plus Gegenprobe durch Nachladen der Bilddateien im Browser (Engman 5,1 MB, Sutherland 0,44 MB).
Plattform über Signaturen im Quelltext bestimmt (squarespace, wp-content, Generator-Metadaten), nicht geraten.
Mobil mit 390 × 844 Pixeln und doppelter Pixeldichte, Drei Beispiele im Bericht.
Grenzen
Momentaufnahme an einem Vormittag. Preise, Startseiten und Ausstellungsdaten ändern sich.
Die Performance-API meldet für fremde Hosts ohne Timing-Allow-Origin oft null Byte. Alle Transferwerte sind deshalb Untergrenzen, echte Werte können höher liegen.
Berechnete Schriftnamen zeigen manchmal den Fallback, nicht die tatsächlich geladene Datei. Bei Lizenzschriften steht deshalb im Text „Garamond-Schnitt“ statt eines exakten Dateinamens.
Cookie- und Consent-Zustände sind nicht vereinheitlicht. Wo ein Video-Consent den ersten Bildschirm belegte, steht das in der Bildunterschrift.
03
Siebzehn Seiten, einzeln angesehen
Fünfzehn Abschnitte, sortiert vom radikalsten Entwurf zum konventionellsten. Die Reihenfolge ist keine Wertung, sondern eine Steigerung an Interface. Die letzte Station stellt drei Seiten gegenüber.
01
Wolfgang Tillmans
tillmans.co.ukeigenes Frontend, Archiv-CMS
Ein Archiv, das sich als Textseite ausgibt. Installation Views, Publikationen, Kampagnen, alles als Linkliste.
Transfer
2,2 MB
Requests
42
Bilder
41 im DOM
Dokumenthöhe
34.459 px
Body-Schrift
Times, 14,4 px
Plattform
keine CMS-Signatur
Startseite. Der Name ist 14,4 Pixel groß, die Navigation liegt in drei Textspalten. In der Mitte steht der Videobereich, der ohne Cookie-Zustimmung leer bleibt. Das ist der Normalfall für Erstbesucher.
Die Seite verzichtet auf jede Geste, die man von einer Künstler-Website erwartet. Kein Hero, kein Raster, keine Bildlaufleiste. Stattdessen eine Titelzeile in Times von 14,4 Pixeln, darunter Links, die nach Archivlogik sortiert sind: aktueller Kalender, Installation View Archive, Publikationen, Vorträge, Texte, Biografie, politische Kampagnen. Der aktive Bereich wird rot markiert, das ist die einzige Farbe im Interface.
Das Archiv selbst ist endlos. Die Seite „Installation View Archive“ kommt auf 92 Bilder und eine Dokumenthöhe von 74.076 Pixeln, geladen wird beim Aufruf nur ein Bruchteil. Wer ein bestimmtes Bild sucht, scrollt oder sucht im Browser. Eine Filterfunktion gibt es nicht.
Installation View Archive. 92 Bilder, 74.076 Pixel Scrollhöhe, kein Filter, keine Thumbnail-Übersicht. Ein Bild pro Eintrag, dazwischen Trennlinien.
Was trägtDie Seite wirkt wie ein Werkverzeichnis und nicht wie Marketing. Wer Tillmans kennt, findet in Sekunden die Kampagne von 2017 oder die Ausstellung in Los Angeles. Die Typografie konkurriert nie mit den Bildern.
Was fehlt, ist Zugänglichkeit: kein Suchfeld, keine Werkgruppen, keine Bildtitel auf der Übersicht. Bei 92 Einträgen ist das eine Zumutung für alle, die nicht schon wissen, was sie suchen. Der Videobereich startet ohne Zustimmung als leere Fläche mit Datenschutztext, das ist der erste Eindruck der Startseite.
02
Rinko Kawauchi
rinkokawauchi.comWordPress
Ein Bild pro Bildschirm, eine Textspalte links, Papierweiß statt Reinweiß.
Transfer
6,2 MB
Bilder
9 Requests
Dokumenthöhe
900 px
Hintergrund
#eaeeee
Body-Schrift
Garamond-Schnitt
Plattform
WordPress
Startseite. Verhältnis etwa 1:3. Die linke Spalte bleibt bis auf Name, sechs Links und Sprachumschaltung leer. Das Bild rechts läuft an drei Kanten aus dem Fenster.
Kawauchi zeigt das klassische Modell der Fotokunst: eine schmale Spalte für Identität und Navigation, alles andere dem Bild. Der Hintergrund ist nicht Weiß, sondern ein kühles Papiergrau (#eaeeee), das den Druckbezug herstellt und die Fotografien weniger grell wirken lässt. Der Name steht in einem Garamond-Schnitt mit japanischer Mincho-Fallback-Kette, gemischt zweisprachig.
Technisch ist die Seite träge. Neun Bilddateien ergeben 6,2 MB, weil die Startseite das Hero-Foto in einer Auflösung ausliefert, die für 1440 Pixel Breite überdimensioniert ist. Auf der Werkübersicht wächst die Seite auf 13.897 Pixel, jede Werkgruppe bekommt ein großes Einzelbild, geladen wird beim Durchscrollen nach.
Works. Eine Spalte, 864 Pixel breit, 17 Bilder. Die Werkgruppen sind als reine Abfolge angelegt, ohne Jahreszahlen und ohne Vorschaubilder.
Was trägtDie Haltung: ein Bild, ein Moment, keine Ablenkung. Wer die Arbeit nicht kennt, versteht nach zwei Sekunden, worum es geht.
Die Werkübersicht bleibt eine Liste von Serientiteln ohne Jahr und ohne Thumbnail. Das ist konsistent, aber es zwingt jeden Besucher, jede Serie einzeln zu öffnen. Bei 17 Serien ist das Arbeit, die eine Jahreszahl in Klammern erledigen würde.
03
Viviane Sassen
vivianesassen.comeigenes Frontend
Ein stummes Video als Titelbild, darunter eine Nachrichtenliste im Zeitungssatz.
Transfer
58 KB + 1080p-Video
Bilder Startseite
1
News-Seite
80.185 px
Bilder dort
128
Body-Schrift
EB Garamond
Plattform
eigenes Frontend
Startseite. Der Name oben links ist der einzige Text. Das Video (1920 × 1080, 1080p) läuft stumm, der Hinweis „tap to unmute“ ist die einzige Interaktionsfläche.
Die Startseite ist ein einziges Video. Das Dokument selbst bringt 58 KB auf die Waage, den Rest lädt der Browser als progressives Video nach. Kein Menü, kein Scrollen, kein Text außer dem Namen in Versalien. Wer weiterwill, klickt irgendwohin und landet in der Rubrik „news“. Das ist eine mutige Entscheidung: Sie setzt voraus, dass der Name bereits zieht.
Danach kippt die Seite ins Gegenteil. Die News-Rubrik ist eine einspaltige Bild-Titel-Folge mit 128 Bildern und einer Dokumenthöhe von 80.185 Pixeln. Ohne Jahresfilter, ohne Werkgruppen, chronologisch. Die Navigation liegt als loses Textraster aus neun Links über drei Spalten, ebenfalls ohne aktive Markierung.
News. Einspaltiger Feed, ein Bild pro Eintrag, Bildunterschrift direkt darunter. 128 Bilder, 80.185 Pixel Scrollhöhe.
Was trägtDie Startseite ist ein Statement und funktioniert auf jedem Gerät, weil sie nur aus einem Element besteht. Der Wechsel in die Rubriken ist ein Klick, nicht eine Entscheidung.
Der Preis ist Orientierung. Es gibt keine Werkübersicht im eigentlichen Sinn, nur eine Chronologie der Ausstellungen und Publikationen. Wer die Serie von 2014 sucht, scrollt 40.000 Pixel. Auf einem Telefon ist das nicht durchhaltbar.
04
Taryn Simon
tarynsimon.comeigenes Frontend
Eine Startseite ohne Bilder. Nur Typografie auf fast schwarzem Grund.
Transfer
133 KB
Bilder
0
Dokumenthöhe
8.233 px
Hintergrund
#111111
Body-Schrift
Garamond-Schnitt
Plattform
eigenes Frontend
Startseite. 133 KB für die gesamte Seite. Die mittlere Spalte ist eine Liste laufender und kommender Ausstellungen, nach Datum sortiert, ohne ein einziges Bild.
Simon behandelt ihre Website wie einen Ausstellungskalender mit Werkverzeichnis-Anhang. Navigation links in fünf Punkten, Hauptspalte mit Terminen, Museum, Stadt, Laufzeit. Der Kontrast ist hart: heller Text auf #111111, Zeilenhöhe großzügig, kein Fettdruck, keine Icons.
Der Bildverzicht ist eine Positionsbestimmung. Diese Seite muss keine Arbeit beweisen, sie verwaltet sie. Wer ein Bild sucht, geht über WORKS in die Projekte, die dann Installation Views und Bücher enthalten. Für weniger etablierte Positionen wäre das Modell eine Sackgasse: Ein Kurator, der die Arbeit nicht kennt, verlässt die Seite nach acht Sekunden.
Was trägtDie Seite lädt in unter einer Sekunde und ist auf jedem Gerät lesbar. Die Informationsdichte pro Pixel ist die höchste in der ganzen Stichprobe.
Was fehlt, ist der Einstieg über das Bild. Für eine Fotografin ist eine Startseite ohne Fotografie eine Entscheidung gegen das eigene Medium, die nur funktioniert, weil der Name sie trägt.
05
Hiroshi Sugimoto
sugimotohiroshi.comSquarespace
Museal zentriert, mit einem YouTube-Player als Hauptexponat.
Transfer
1,4 MB
Bilder
0 <img>
Dokumenthöhe
976 px
Body-Schrift
Futura PT
Plattform
Squarespace
Navigation
horizontal, 8 Punkte
Startseite. Der graue Grund trägt den Titel, die Navigation und einen eingebetteten YouTube-Player. Die Seite hat keine eigene Bilddatei, die gesamte Last kommt von Dritt-Host.
Die Seite ist ein Museumsraum: mittig der Name in gesperrter Serifenschrift, darunter acht Menüpunkte in kleiner Groteske, darunter ein Video. Alles zentriert, alles symmetrisch, Hintergrund in neutralem Grau statt Weiß. Die Typomischung, Serifentitel plus Futura-Navigation, ist die konventionellste Entscheidung der ganzen Stichprobe.
Technisch ist der Auftritt fast vollständig fremdbestimmt. Es gibt kein eigenes Bild auf der Seite; die 1,4 MB kommen aus dem Video-Embed und den Squarespace-Assets. Das bringt zwei Probleme: Erstens ist das Video ohne Zustimmung nicht sichtbar, zweitens hängt die Wirkung der Startseite an einer Plattform, die Bot-Checks und Regionssperren anwendet.
Was trägtDie Ruhe. Ein Name, eine Bewegung, keine Ablenkung. Für eine Praxis, die von einzelnen großformatigen Werken lebt, ist ein Video der Ausstellungsführung ein sinnvoller Einstieg.
Was fehlt, ist Kontrolle. Wer die Seite als PDF-Druck oder in fünf Jahren ansieht, sieht ein schwarzes Rechteck.
06
Thomas Ruff
thomasruff.comeigenes Frontend
Der Name als Grafik, daneben ein Werk wie ein Ausstellungsobjekt gerahmt.
Transfer
2,5 MB
Bilder
11
Dokumenthöhe
2.917 px
Body-Schrift
Telegraf
Plattform
eigenes Frontend
Sprachen
DE / EN
Startseite. Der Name läuft über zwei Drittel der Breite. Rechts das Werk in einem Passepartout-Rahmen, links das Porträt randabfallend, dazwischen dünne Konstruktionslinien.
Ruff zeigt, wie man ein Werkverzeichnis zeitgenössisch aussehen lässt, ohne Effekte zu bemühen. Der Name ist kein Logo, sondern ein Flächenelement in extrem großer Groteske. Das aktuelle Werk steht in einem grauen Rahmen mit weißem Passepartout, also als Objekt und nicht als Bilddatei. Dazu ein kleiner Caption-Kasten, der wie ein Galerieetikett wirkt.
Die horizontale Navigation in fünf Punkten plus Sprachumschaltung sitzt unter einer Haarlinie. Das ist die einzige Seite der Stichprobe, die ein sichtbares Konstruktionsraster als Gestaltungsmittel einsetzt, ohne dass es beliebig wirkt: Die Linien folgen den Bildkanten.
Was trägtDie Hierarchie entsteht ohne Farbe, ohne Icons, ohne Karten. Ein Name, ein Werk, fünf Links, fertig. Das lädt mit 2,5 MB für elf Bilder in einem vertretbaren Rahmen.
Was stört, ist die Kleinteiligkeit der Navigation: „News, Werke, Biografie, Bibliografie“ sind vier gleich gewichtete Punkte, obwohl „Werke“ der einzige ist, den ein Erstbesucher braucht.
07
Charlie Engman
charlieengman.comeigenes Frontend
Collage statt Raster. Und die schwerste Seite der Stichprobe.
Transfer
19,0 MB
Requests
111
Bilder
25, davon 99 Requests
Größte Datei
3,3 MB GIF
Body-Schrift
Arial Rounded
Navigation
4 Ecken, keine Leiste
Startseite. Ein gerahmtes Bild als Bühne, ein freigestelltes zweites Bild, das über den Rahmen hinausragt, dazu eine senkrechte Spalte aus „scroll down“ und ∞-Zeichen in der Ecke.
Engman baut die Startseite als Collage: ein Bild im Passepartout, ein zweites freigestellt darüber, ein drittes angeschnitten, dazu Typografie, die als Textur funktioniert. Die Navigation liegt in den Ecken: Name oben links, „overview“ unten links, „sketchbook“ unten rechts, eine Reihe Unendlichkeitszeichen oben rechts. Das ist die einzige Seite der Stichprobe ohne Menüleiste, die trotzdem vollständig bedienbar bleibt.
Der Preis ist absurd. 111 Requests, 19 MB Transfer, davon 16,6 MB Bilddaten. Zwei GIFs allein bringen 4,7 MB auf die Waage, eines mit 3,3 MB. Auf einer Mobilverbindung ist die Startseite mehrere Sekunden leer, auf einem Metertarif kostet ein Besuch mehr als ein Fotoabzug.
Was trägtDie Form. Diese Startseite sieht aus wie eine Arbeit und nicht wie eine Bewerbung, und sie bleibt mit vier Klickzielen vollständig verständlich.
Was nicht trägt, ist die Umsetzung. Wer Collage als Konzept einsetzt, muss die Dateigrößen beherrschen; hier wurde Konzept gegen Ladezeit getauscht, und das Publikum zahlt.
08
Lucas Foglia
lucasfoglia.comeigenes Frontend
Vier Spalten, gleiche Abstände, keine Bildunterschrift. Das sauberste Raster der Stichprobe.
Raster
4 × 248 px
Gutter
16 px
Bilder Projekt
162
Body-Schrift
Gotham Narrow
Navigation
zurück + 2 Links
Mobil
2 Spalten
Projektseite. Vier Spalten à 248 Pixel mit 16 Pixel Abstand, Hochformate zentriert in der Spalte, Querformate füllen sie. Keine Beschriftung, kein Hover-Effekt sichtbar.
Foglia macht das Einfachste richtig. Ein Projekt besteht aus zwei Ansichten: „Gallery“ mit allen Bildern im Raster, „Statement“ mit dem Text. Oben links ein Zurück-Link, unten links der Projekttitel, mehr Interface gibt es nicht. Das Raster hält die Spaltenbreite konstant und lässt die Bilder ihre eigenen Seitenverhältnisse behalten, Querformate füllen, Hochformate zentrieren.
162 Bilder auf einer Projektseite sind viel, aber sie sind im Raster sortiert und als Arbeitsmenge lesbar. Auf 390 Pixeln bleibt die Seite zweispaltig, die Übersicht geht also nicht verloren, die Einzelbilder werden klein.
Mobil bei 390 Pixeln: Foglia behält zwei Spalten, Kawauchis Werkliste bleibt eine Spalte und wird 6.619 Pixel lang, Ruff schiebt den Namen über das Werk und die Seite wächst auf 2.234 Pixel.
Was trägtDas Raster ist die Arbeit. Wer 162 Bilder in einer Ansicht vergleichen will, kann das hier, ohne eine einzige Zeile Text zu lesen.
Was fehlt, ist Kontext pro Bild. Ohne Titel und Jahr ist die Galerie ein Kontaktbogen; für Kuratoren ist das reizvoll, für alle anderen eine Reihe schöner Bilder ohne Anker.
09
Ryan McGinley
ryanmcginley.comSquarespace
Linke Navigationsspalte, ein Ausstellungsplakat als Hero. Die Plakatfläche macht die Arbeit.
Transfer
4,8 MB
Bilder
62
Dokumenthöhe
900 px
Body-Schrift
Proxima Nova
Plattform
Squarespace
Navigation
14 Punkte vertikal
Startseite. Das Hero ist ein Ausstellungsplakat, kein Einzelbild. Pinke Typografie auf Schwarz, im Bild ein Schwarzweißfoto. Ein Credit unten links, sonst keine Caption.
Die Seite ist konventionell gebaut und funktioniert trotzdem, weil das Hero kein Foto, sondern ein Grafikobjekt ist. Wer ein Plakat als Startbild setzt, zeigt nicht nur ein Motiv, sondern einen Kontext: Ausstellung, Ort, Laufzeit. Das ist mehr Information als bei den meisten Seiten der Stichprobe, mit einem Bild.
Die Navigation mit 14 Punkten ist die längste der Stichprobe und enthält alles: Serien, Archiv, Videos, Essays, CV. Auf 1440 Pixeln passt sie in eine Spalte, mobil ist sie ein Menü. 4,8 MB für 62 Bilder ist für eine Squarespace-Seite normal, für einen ersten Bildschirm mit einem Plakat zu viel.
Was trägtDer Gedanke, Ausstellungsgrafik statt Einzelfoto zu zeigen. Das erklärt die Arbeit und datiert sie zugleich.
Was nicht trägt, ist die Liste. Vierzehn gleich gewichtete Punkte sind kein Menü, sondern ein Inhaltsverzeichnis; „Photographs Archive“ sollte nicht an siebter Stelle stehen.
10
Olivia Bee
oliviabee.comSquarespace
Handschrift-Logo, Hero-Panorama, zweispaltiges Raster. Die freundlichste Seite der Stichprobe.
Transfer
6,1 MB
Bilder
110
Dokumenthöhe
11.716 px
Body-Schrift
System-Sans
Plattform
Squarespace
Navigation
7 Punkte horizontal
Startseite. Script-Logo gegen sachliche Sans-Navigation, darunter ein Panorama über die volle Breite und ein zweispaltiges Raster mit harten Beschnitten.
Bee zeigt die kommerzielle Variante einer Künstler-Website: klare Kategorien (Lifestyle, Fashion, Portraits, Projects), ein Hero über die volle Breite, darunter zwei Spalten. Das Script-Logo ist der einzige persönliche Eingriff, alles andere ist Raster und Systemschrift. Der aktive Menüpunkt ist unterstrichen, das ist die einzige Zustandsanzeige in der Stichprobe, die ohne Farbe funktioniert.
Die Last ist hoch: 110 Bilder auf der Startseite, 6,1 MB, 11.716 Pixel Scrollhöhe. Squarespace lädt die Bildvarianten automatisch, die Anzahl der Bilder holt das aber nicht zurück. Wer nach zwei Bildschirmen geht, hat 100 Bilder dekodiert, die er nie sieht.
Was trägtDie Kategorien. Wer eine Fotografin für ein Editorial sucht, findet in zwei Klicks die Passform. Die Seite beantwortet die Frage, mit der Besucher kommen.
Was nicht trägt, ist die Menge. Eine Startseite mit 110 Bildern ist ein Archiv, keine Auswahl. Die Kuratierung passiert hier nicht auf der Seite, sondern im Kopf des Besuchers.
11
LaToya Ruby Frazier
latoyarubyfrazier.comWordPress + WP Rocket
Drei Spalten mit quadratischen Thumbnails. Das aufgeräumteste Werkraster der Stichprobe.
Bilder
13 (Werkseite)
Requests
141 Startseite
Transfer
1,6 MB
Body-Schrift
Open Sans
Plattform
WordPress
Navigation
horizontal, 8 Punkte
Artworks. Drei Spalten, quadratische Zuschnitte, Bildtitel und Jahr linksbündig unter jedem Werk. Feine Haarlinie unter der Navigation als einzige Zierde.
Frazier zeigt die konservative Lösung, die fast immer funktioniert: Name in Serifenversalien oben links, horizontale Navigation oben rechts, darunter ein Raster mit einheitlich beschnittenen Werken und lesbaren Bildunterschriften. Wer die Seite aufruft, versteht in drei Sekunden, was er sieht und wie er weiterkommt.
Die Technik ist das Problem. Die Startseite erzeugt 141 Requests für vier Bilder, das ist Plugin-Ballast eines WordPress-Builds mit Caching-Schicht. Der erste Bildschirm ist zudem ein eingebetteter YouTube-Player, der bei automatisierter Prüfung mit „Sign In to confirm you're not a bot“ antwortet. Ein Besucher sieht statt Kunst eine Aufforderung, sich anzumelden.
Was trägtDas Raster mit Captions. Es ist die einzige Seite, auf der ein Besucher ohne Vorwissen Werke unterscheiden, benennen und wiederfinden kann.
Was nicht trägt, ist die Abhängigkeit von Drittinhalten. Ein Video-Host entscheidet hier darüber, ob die Startseite funktioniert.
12
Ed Templeton
ed-templeton.comeigenes Frontend
Die halbe Werkbiografie als Navigationsliste, daneben zwei Bilder. Der Punk unter den Archiven.
Transfer
162 KB
Bilder
2
Dokumenthöhe
900 px
Body-Schrift
Helvetica Neue
Navigation
gut 30 Punkte, links
Aktives Element
grüner Titel
Startseite. Die Navigationsspalte listet jede Buchserie einzeln auf. Rechts zwei Bilder, die zusammen den Bildschirm füllen, ohne Caption.
Templeton setzt auf ein Modell, das in der Kunstwelt verbreitet und im Web selten ist: Die gesamte Werkliste steht permanent links, nicht hinter „Work“. Zwölf Buchserien, dazu Malerei, Zeichnungen, Ausstellungen, Zines, Presse, Podcasts, Social Media. Der Name ist grün, das ist die einzige Farbe.
Das ist ehrlich und schnell, 162 KB für den ersten Bildschirm. Es ist auch eine Antiquität: Auf 1440 Pixeln braucht die Liste die halbe Bildhöhe, mobil wird sie zum Scrollkasten, und die zwei Bilder rechts haben keine Titel. Wer die Serie „Teenage Smokers“ sucht, findet sie in der Liste; wer wissen will, was er gerade sieht, nicht.
Was trägtDie Werkliste als Navigation. Ein Archiv, das seine Struktur zeigt, statt sie zu verstecken, ist für Kuratoren und Sammler schneller als jede Suche.
Was fehlt, ist Hierarchie: Buchserien, Ausstellungen, Social Media und Podcasts stehen in einer Liste mit gleichem Gewicht. Und der erste Bildschirm bleibt ohne Bildtitel.
13
Sara Cwynar
saracwynar.comstatische iframes, Handbau
Giftgrüner Grund, Monospace, Werkliste ohne Bilder. Brutalismus mit Absicht.
Transfer
52 KB
Bilder
1
Dokumenthöhe
900 px
Body-Schrift
Century / Monospace
Aufbau
4 iframes
Navigation
Textlinks
Startseite. Films und Photographs and Installation Views als reine Textlisten, Jahre in Klammern, Institutionen kursiv. Ein quadratisches Rosenfoto als einziger visueller Anker.
Cwynar baut die Seite aus vier HTML-Dateien in iframes: Titel, Inhalt, zwei Lightboxen. Das ist Architektur aus dem Jahr 2005 und technisch fragwürdig, weil Suchmaschinen und Screenreader den Inhalt schlechter zuordnen. Es ist mit 52 KB aber auch die leichteste Seite der Stichprobe, und sie wirkt wie eine bewusste Entscheidung: Die Typografie ist die Gestaltung.
Monospace auf Giftgrün ist unbequem, und das ist der Punkt. Wer die Seite liest, liest eine Werkliste, keine Präsentation. Die Filme stehen vor den Fotografien, was für eine Künstlerin, die von beidem lebt, die richtige Reihenfolge ist.
Was trägtGeschwindigkeit und Haltung. 52 KB, ein Bild, keine Ablenkung. Die Seite ist in unter einer Sekunde da, auch im Zug.
Was fehlt, ist jede visuelle Probe. Ohne Vorschaubilder muss man wissen, was „Baby Blue Benzo“ ist. Für ein Publikum, das über Instagram kommt, ist das eine geschlossene Tür.
14
Peter Sutherland
petersutherland.comWordPress
Ein Kontaktbogen als Startseite, der Name als Loch in der Mitte.
Bilder
45
Transfer
968 KB
Bildbreite
150 px
Body-Schrift
Arial Black
Plattform
WordPress 7.1
Navigation
keine
Startseite. Rund 44 Thumbnails von 150 Pixeln Breite, dazwischen ein zentrierter Textblock mit Name, Berufsbezeichnung und Mailadresse. Keine Navigation, keine Captions.
Sutherland macht aus der Not eine Form: Statt einer kuratierten Auswahl zeigt er einen Kontaktbogen. Alles ist gleich groß, alles gleich gewichtet, in der Mitte steht der Name. Das ist die schnellste Art, Bandbreite zu zeigen, und mit 968 KB für 44 Bilder auch die leichteste Lösung mit vielen Motiven.
Der Nachteil liegt auf der Hand: 150 Pixel Breite reichen für einen Eindruck, nicht für ein Bild. Ein Kurator, der eine Arbeit prüfen will, muss klicken. Und weil es keine Navigation und keine Beschriftung gibt, führt der einzige Weg durch das Anklicken der Thumbnails.
Was trägtDer Kontaktbogen als Idee. Er sagt: Hier ist ein Archiv, sich das an, was dich interessiert. Das ist demokratischer als jede kuratierte Startseite.
Was fehlt, ist der Weg zurück ins Bild. Wer nicht klickt, sieht nichts in einer Größe, die etwas aussagt.
15
Andreas Gursky, Mohamed Bourouissa, Harley Weir
andreasgursky.com · mohamedbourouissa.com · harleyweir.comdrei Modelle, ein Vergleich
Galerie-Layout, Textindex und ein abschreckendes Beispiel.
Gursky. Linke Navigationsspalte mit Suchfeld und Sprachumschaltung, rechts ein Werk mit Caption. 264 KB, vier Bilder, Archivo Narrow.Bourouissa. Projektliste mit Titeln und Jahren, 24 Bilder erst auf den Detailseiten. WordPress, Times New Roman.
Gursky zeigt das Galerie-Modell in Reinform: links alles, was Navigation ist, rechts ein Werk pro Bildschirm mit Titel und Jahr. Es ist die aufgeräumteste Lösung für einzelne Großformate, und mit 264 KB auch eine der schnellsten.
Bourouissa macht das Gegenteil und gewinnt damit Übersicht: eine Liste aus Titeln und Jahren, durch Haarlinien getrennt, ohne ein einziges Vorschaubild. Wer die Projekte kennt, ist in fünf Sekunden am Ziel. Wer sie nicht kennt, liest Jahreszahlen.
Harley Weir. Seit Jahren derselbe Zustand: „Website Under Construction“, 20 Pixel Times Now, 1,6 MB Hintergrundvideo. Die Seite ist erreichbar und sagt nichts.
Weir gehört in diesen Bericht als Gegenbeispiel, weil sie zeigt, was passiert, wenn eine Praxis zu groß für die eigene Verwaltung wird: Die Domain läuft, das Renommee trägt, die Seite selbst ist eine Baustelle mit Hintergrundvideo.
Was trägtGurskys Disziplin und Bourouissas Mut zur Liste. Beide brauchen kein Raster, um verständlich zu sein.
Was nicht trägt, ist der leere Platz. Eine „Under Construction“-Seite ist keine Sparsamkeit, sondern eine Entscheidung, das Publikum wegzuschicken; wer über Instagram kommt, bleibt dort.
04
Was sich wiederholt, und warum es funktioniert
Sechs Entscheidungen, die in der Stichprobe immer wieder auftauchen. Sie sind keine Regeln, aber sie erklären, warum diese Seiten trotz sehr unterschiedlicher Technik ähnlich wirken.
Ein Bildschirm, ein Werk
Sieben von fünfzehn Seiten zeigen beim ersten Aufruf genau eine Arbeit, oft randabfallend. Das ist der stärkste gemeinsame Nenner und der größte Unterschied zu kommerziellen Fotografen-Seiten, die mit Slider und Raster starten. Die Logik: Wer eine Ausstellung besucht, sieht auch ein Werk pro Wand, nicht zwanzig auf einmal.
Die Textspalte bleibt unter 300 Pixeln
Name, sechs bis neun Links, Sprachumschaltung, Copyright. Mehr steht nicht in der Spalte, und sie bleibt bis zum Seitenende schmal. Dadurch entsteht eine feste Leseachse links und eine große freie Fläche rechts, die entweder Bild oder Leere ist. Tillmans, Sassen, Gursky, McGinley, Templeton und Kawauchi arbeiten mit dieser Achse, jeweils in anderer Ausprägung.
Schrift als Haltung, nicht als Geschmack
Times von 14,4 Pixeln bei Tillmans, Garamond bei Sassen, Taryn Simon und Kawauchi, Monospace bei Cwynar, Futura PT bei Sugimoto. Keine der Seiten benutzt eine Schrift, die nach 2020 aussieht. Das ist kein Zufall: Eine Satzschrift mit alten Proportionen signalisiert Werkbestand, eine Modenschrift signalisiert Kampagne.
Navigation als Liste, nicht als Menü
Neun Seiten haben eine vertikale Textliste, drei gar keine Navigation, nur drei eine horizontale Kopfzeile. Untermenüs, Hover-Megamenüs oder Burger-Menüs kommen auf dem Desktop praktisch nicht vor. Die Seiten vertrauen darauf, dass sieben bis neun Punkte lesbar bleiben, wenn man sie untereinander schreibt.
Bildunterschriften sind die Ausnahme
Nur LaToya Ruby Frazier und Gursky beschriften die Übersicht. Alle anderen zeigen Titel und Jahr erst in der Detailansicht, und einige gar nicht. Für ein künstlerisches Publikum ist das eine Konvention, für alle anderen eine Hürde: Ohne Titel ist ein Bild nicht zitierbar.
Die Last ist eine Entscheidung, keine Notwendigkeit
Zwischen 52 KB und 19 MB liegen keine unterschiedlichen Ansprüche, sondern unterschiedliche Prioritäten. Die leichtesten Seiten (Cwynar 52 KB, Simon 133 KB, Templeton 162 KB, Bourouissa 842 KB) zeigen weniger Bilder. Die schwersten (Engman 19 MB, Bee 6,1 MB, Kawauchi 6,2 MB, McGinley 4,8 MB) zeigen viele. Nur bei Engman ist die Last zusätzlich durch GIFs und fehlende Kompression getrieben, also durch Handwerk und nicht durch Konzept.
Die Seiten, die am meisten zeigen, sind nicht die, die am meisten sagen.
05
Was eine gute Künstler-Portfolioseite ausmacht
Zehn Regeln, abgeleitet aus den Messungen und den Brüchen in der Stichprobe. Jede Regel hat eine Zahl oder ein Beispiel, sonst wäre sie Geschmack.
Ein Werk pro Bildschirm am Anfang
Der erste Bildschirm entscheidet, ob jemand bleibt. Ein einzelnes Bild in großer Auflösung wirkt stärker als jede Übersicht, weil es eine Entscheidung trifft, statt eine Auswahl anzubieten. Kawauchi und Sassen machen das radikal, Gursky und Ruff mit einem Werk plus Navigationsspalte.
Das Raster hält die Spaltenbreite konstant
Vier Spalten à 248 Pixel mit 16 Pixel Abstand (Foglia) oder drei quadratische Spalten mit Captions (Frazier). Wichtig ist nicht die Zahl, sondern dass Hochformate in der Spalte zentriert werden und Querformate sie füllen. Alles andere erzeugt Zufallshöhen und eine unruhige Unterkante.
Ein Bild über der Falz unter 500 KB
Bei 1440 Pixeln Breite reicht eine Datei mit 1600 Pixeln langer Kante als AVIF oder WebP in guter Qualität. Alles darüber ist Zoom-Reserve, die auf einer Startseite niemand abruft. Kawauchi lädt für ein Hero-Bild mehr als 5 MB, das ist der teuerste Einzelfall der Stichprobe.
Titel und Jahr gehören an das Bild, nicht in die Detailseite
Wer eine Übersicht ohne Beschriftung baut, verlangt vom Besucher, jedes Bild zu öffnen, um es benennen zu können. Eine Zeile mit Titel und Jahr, 13 bis 14 Pixel, gedämpftes Grau mit mindestens 4,5:1 Kontrast, linksbündig unter dem Bild kostet nichts und macht die Seite zitierbar.
Die Navigation bleibt bei sieben Punkten
Werke, Installation Views oder Ausstellungen, Publikationen, Texte, Biografie, Kontakt. Mehr braucht eine künstlerische Praxis nicht, und alles darüber wird zu einem Inhaltsverzeichnis. McGinleys vierzehn Punkte und Templetons gut dreißig sind Belege dafür, dass Listen ohne Hierarchie langsamer machen als jede Suche.
Ein Statement von 80 bis 150 Wörtern, auf einer eigenen Seite
Foglia trennt Galerie und Statement, Sassen hat „texts“, Tillmans „Texts“. Der Text gehört nicht auf die Startseite, aber er muss existieren und verlinkt sein. Eine Praxis ohne einen Absatz über sich selbst überlässt die Deutung dem Zufall.
Zwei Spalten auf dem Telefon statt einer
Foglia behält mobil zwei Spalten, die Übersicht bleibt. Eine Spalte bedeutet bei 100 Bildern 100 Wischbewegungen. Zwei Spalten mit 12 Pixel Abstand sind auf 390 Pixeln gut lesbar und halbieren die Scrolllänge.
Keine Drittinhalte im ersten Bildschirm
Zwei Seiten der Stichprobe starten mit einem YouTube-Embed, bei einer antwortet der Host mit einer Bot-Prüfung. Wer Video zeigen will, lädt es selbst oder setzt ein Standbild mit Play-Ziel. Alles andere gibt die Kontrolle über den ersten Eindruck ab.
Lazy Loading und ein sichtbarer Ladezustand
Tillmans lädt bei 41 Bildern im DOM nur einen Bruchteil, das ist richtig. Falsch ist der leere Bildschirm ohne Rückmeldung. Ein Platzhalter mit den richtigen Proportionen verhindert Layoutsprünge und zeigt, dass etwas kommt.
Ein Zustand, der nicht „Under Construction“ heißt
Harley Weir hält seit Jahren eine Baustellenseite mit Hintergrundvideo online. Wer keine Zeit für eine Website hat, sollte eine Seite mit einem Bild und einer Mailadresse live stellen. Das ist in zwei Stunden erledigt und schlägt jede Baustelle.
Checkliste für den Bau
Mitnehmen
Eine Satzschrift, zwei Grad: 14 bis 16 Pixel Navigation, 28 bis 40 Pixel Titel
Bilder mit fester langer Kante, srcset für 800, 1280 und 1920 Pixel
AVIF mit WebP-Fallback, Qualität 80 bis 85
Alt-Text mit Titel, Jahr, Technik
Ein Raster, das auf 390 Pixeln zweispaltig bleibt
Kontakt als Mailadresse, nicht als Formular
Impressum und Datenschutz als echte Seiten
Ein Statement, eine Biografie, ein CV als PDF
Weglassen
Slider und Karussells auf der Startseite
Autoplay mit Ton und ohne Zustimmung
GIFs über 500 KB als Hero
Schriftwechsel pro Rubrik
Instagram-Feeds als Ersatz für eine Galerie
Cookie-Banner mit über zehn Schaltern
Baustellenseiten über sechs Monate
Bildunterschriften nur im Dateinamen
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Womit diese Seiten gebaut sind
Die Plattform bestimmt nicht den Entwurf, aber sie bestimmt, wie viel Kontrolle über Bildformate, Raster und Ladezeit bleibt. Zuordnung über Quelltext-Signaturen, Stand 20.10.2026.
Plattform
Seiten in der Stichprobe
Was sie gut kann
Wo sie bremst
Eigenes Frontend
10
Jedes Raster, jede Typokante, jede Ladezeit ist verhandelbar
Bildoptimierung, Suche, Barrierefreiheit muss selbst gebaut werden
Squarespace
3
Saubere Bildvarianten, Templates, die nicht nach Template aussehen
Rasterlogik und Startseiten-Choreografie bleiben im System
Plugin-Ballast: 141 Requests für vier Bilder (Frazier)
Cargo
0
In Design- und Kunstkreisen verbreitet, sehr freie Layouts, eigene Schriften
In dieser Stichprobe nicht vertreten, deshalb ohne eigenes Urteil
Statische Dateien in iframes
1
52 KB, ewig haltbar, kein System, das gepflegt werden muss
Struktur für Suchmaschinen und Screenreader, keine Redaktionsoberfläche
Cargo ist als Baukasten für Künstler- und Designportfolios etabliert und arbeitet mit frei positionierbaren Layouts und eigenen Schriften. In dieser Stichprobe lief keine Seite nachweisbar darauf, deshalb steht hier keine Bewertung aus eigener Messung.
Was die Wahl praktisch bedeutet
Wer ein Raster braucht, das sich anders verhält als der Standard (Foglia, Sutherland, Templeton), landet beim eigenen Frontend und zahlt mit Pflegeaufwand. Wer in zwei Wochen online sein will und ein Raster braucht, das funktioniert, ist mit Squarespace oder einem schlanken WordPress-Theme schneller. Wer eine starke typografische Haltung hat und die Seite zehn Jahre nicht anfassen will, kommt mit statischem HTML am weitesten; Cwynar ist der Beleg, 52 KB und seit Jahren unverändert.
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Messwerte und Quellen
Alle Werte am 20.10.2026 zwischen 10:10 und 10:25 CEST erhoben, Viewport 1440 × 900, sechs Sekunden nach Ladeende. Transfergrössen sind Untergrenzen.
Seite
Plattform
Requests
Transfer
Bilder
Höhe
Schrift (berechnet)
Tillmans
eigenes Frontend
42
2,2 MB
41
34.459 px
Times, 14,4 px
Kawauchi
WordPress
28
6,2 MB
10
900 px
Garamond-Schnitt
Sassen
eigenes Frontend
9
58 KB + Video
1
900 px
EB Garamond
Taryn Simon
eigenes Frontend
11
133 KB
0
8.233 px
Garamond-Schnitt
Sugimoto
Squarespace
40
1,4 MB
0
976 px
Futura PT
Ruff
eigenes Frontend
24
2,5 MB
11
2.917 px
Telegraf
Engman
eigenes Frontend
111
19,0 MB
25
900 px
Arial Rounded
Foglia
eigenes Frontend
43
155 KB + nachgeladen
23
900 px
Gotham Narrow
McGinley
Squarespace
67
4,8 MB
62
900 px
Proxima Nova
Olivia Bee
Squarespace
50
6,1 MB
110
11.716 px
System-Sans
LaToya Ruby Frazier
WordPress + WP Rocket
141
1,6 MB
4
2.918 px
Open Sans
Templeton
eigenes Frontend
8
162 KB
2
900 px
Helvetica Neue
Cwynar
statische iframes
9
52 KB
1
900 px
Century / Monospace
Sutherland
WordPress 7.1.3
59
968 KB
45
900 px
Arial Black
Gursky
eigenes Frontend
17
264 KB
4
900 px
Archivo Narrow
Bourouissa
WordPress 6.9.10
–
842 KB Startseite
24
1.159 px
Times New Roman
Harley Weir
eigenes Frontend
–
1,6 MB
1
900 px
Times Now
Ein Strich in der Spalte Requests heißt: für diese Seite wurde die Last nicht separat erhoben, weil der Aufruf abbrach oder die Startseite nur ein Video ausliefert. Schriftnamen sind berechnete Werte aus dem Browser, nicht die Namen der geladenen Dateien; Lizenzschriften erscheinen deshalb als Schnitt-Familie.
Alec Soth (alecsoth.com), Todd Hido, Jack Davison, Coco Capitán, Roe Ethridge, Torbjørn Rødland und Brianna Capozzi antworteten zum Aufnahmezeitpunkt nicht oder lösten keine DNS-Auflösung aus. Daniel Shea verweist auf ein Flickr-Archiv. Sie fehlen, weil keine Daten vorliegen, nicht weil sie inhaltlich ausscheiden.
Reproduzierbarkeit
DOM- und Performance-Werte stammen aus einem Headless-Chrome-Lauf mit deaktivierter Zwischenspeicherung, die Screenshots aus demselben Lauf bei 1440 × 900 Pixeln und 1280 Pixel Ausgabebreite. Wer die Zahlen nachprüfen will: identische Viewportgrösse, sechs Sekunden Wartezeit, ein Scroll-Durchlauf vor der Messung.